__________ Willkommen auf meinen Seiten __________

historisch ~ textlich

Danger Disco

Die Faszination für Musik schlummerte wohl schon immer in mir. Bis eines Tages, es muss ca. 1983/ 1984 gewesen sein, die Idee kam selbst als DJ Musik zu machen.

Mit einem ehem. Schulfreund Maik Z. ( *1971-2008† ) bauten wir ein altes Röhrenradio um. Eine Nebelschlussleuchte und ein Lautsprecher kamen mit ins Gehäuse und dienten als Beleuchtung und Verstärker für den Kassettenrecorder meines Vaters.

Von nun an waren wir nicht mehr zu bremsen. Eine Schuldisco jagte die Nächste und nächtelang hockten wir vorm Radio um immer aktuelle Hits auf Kassette zu bannen.

Keine Gelegenheit ließen wir aus um Musik zu machen.

Immer wieder wurde an unserer „Anlage“ gefeilt und Verbesserungen vorgenommen. Jedoch reichte das irgendwann nicht mehr und Boxen mussten her, sowie eine Lichtanlage.

Vom so genannten Baumarkt ( PHG ) holten wir Möbelplatten und bauten nach den Maßen aus einem 'westlichen' Versandhauskatalog Boxen nach. Die Lautsprecher besorgten wir uns von ausrangierten Fernsehgeräten.

Die Zeit verging und unsere Interessen gingen auseinander. Maik schraubte lieber, anfangs an Fahrrädern und später an Mopeds herum, ich blieb der Musik treu und kümmerte mich um das Jugendleben in der Gemeinde.

Im damaligen Kulturhaus gab es 2 Räume die als so genanntes „Jugendzimmer“ ihre Bestimmung hatten. Dort spielte sich das Jugendleben ab. Samstags war Discotime :-)

Bildquelle:

http://bilder.erdeborn.com/

Meinen Fabel für Musik teilten inzwischen Maik G. ( Gonschie ) und Mario G. ( Der Klinker ).

Irgendwie reichte der Sound für die ständig wachsende Zahl der Jugendlichen nicht mehr aus. In Halle/ S. gab es am Boulevard einen Elektronikladen, den ich mit Maik G. aufsuchte um neue Lautsprecherrohlinge zu kaufen. Die Boxen wurden größer und die Lautsprecher fanden darin ihren Platz.

Die Zeit verging und ich konnte mir gut vorstellen mal auf einer Bühne zu stehen und in einem Saal Musik zu machen, wie ich es von anderen, älteren DJ’s sah.

Inzwischen entdeckte ein Schulfreund Dirk W. die gleiche Leidenschaft, wie ich, als DJ zu arbeiten.

Und so kam es, dass wir von nun an ein Team abgaben.

Die Boxen und den Verstärker bekamen wir vom Kulturhaus gestellt und es konnte los gehen. Fast jeden Freitag und Samstag nahmen wir Termine war, egal ob Hochzeiten, Einschulungen oder Jugendweihen bis hin zur Jugenddisco.

Bei privaten Feiern arbeitete ich Programme aus und wir heizten die Stimmung an.

Ein Namen musste für uns auch noch her. Durch Zufall sah ich im Fernsehen die „Sesamstraße“ ( wirklich Zufall :-) ) und dort kam eine Kuh vor die an einem Warnschild vorbei lief auf dem stand „Danger“ und als sie weiter ging stürzte sie in eine großes Loch „grins“.

Irgendwie ist die Szene, warum auch immer hängen geblieben und „DANGER DISCO“ war geboren.

Üblich für DDR-Discos war ein Schild mit dem Namen drauf, der vor der Anlage stand und Eigenwerbung machen sollte. Das erste Bild malte mein Vater Roland Kühn auf Fahnenstoff und das zweite Bild ich auf eine Pressspanplatte.

Die Anlage wuchs und es kamen Kassettendecks, Lichtanlagen und Effektgeräte dazu. Mittlerweile füllten wir die Säle in der ganzen Umgebung. Wir hatten jede Menge Spaß !

Doch wir wollten noch ein Stück weiter und offizielle Discoveranstaltungen durchführen. Grundvoraussetzung hierfür war eine „Spielerlaubnis für Platten- und Alleinunterhalter“. Wie bei der Fahrschule mussten wir uns zu einer Prüfung anmelden und eine Veranstaltung nach Vorgabe durchführen. Der in der DDR genannte „Fresswürfel“ ( heute MAX-PARK ) gab die Location. Nach 3 Stunden Programm vor ca. 150 Zuschauern wurden wir von der Juri ins Hinterzimmer zur Auswertung gebeten. Es wurde nach Musik- und Lichtanlage, sowie Unterhaltungswert und Songverhältnis gewertet ( das wurde vorgeschrieben und war 60% Ostsongs und 40% westliche Hits). Ebenso wurde eine technische Abnahme vorgenommen.

Es gab wie beim Schwimmen 3 Stufen von denen später die Einnahmehöhe abhing. Unglaublich aber wahr, bestanden wir die Prüfung und bekamen die Einstufung „ B “, d. h. 80,- Ostmark :-) pro Veranstaltung abzüglich der Gebühren für die AWA, heute GEMA.

Noch mehr Infos zu den Gepflogenheiten der DDR-Plattenunterhalter findet Ihr hier:

http://www.studio89.de/ddr.htm 

Nun konnte uns keiner mehr stoppen. Im ganzen Raum Halle/ Saale machten wir die Säle und Lokale unsicher und spielten bis zu 3 mal am Wochenende. Es war ganz schön anstrengend Schule und Hobby unter einen Hut zu bekommen :-)

1987 beruhigte sich die ganze Lage ein wenig und die Interessen von Dirk und mir gingen auseinander. Es kam noch die Lehre hinzu, die bei mir einige Km weit weg war und ich täglich bis 18.00 Uhr im Zug saß.

Dirk machte allein als DJ weiter und ich konzentrierte mich auf meine Lehre.

Doch irgendwie konnte ich nicht von der Musik lassen und 1988 überkam mich die Sehnsucht zur Bühne wieder. Ich erinnerte mich an vergangene Zeiten und fragte beim KLINKER an, ob er Interesse hat mit mir Musik zu machen und er meinte: JA !

Nun sprühte ich wieder vor Ehrgeiz und Ideen. Eine Anlage musste her, was Großes, nicht Kleckern … :-)

Ich bekam einen Tipp von einem Freund, das in Weissenfels eine professionelle Band Ihre Anlage samt Verstärker verkaufen will. Dies war allerdings nicht ganz billig und so nahmen wir Kredit bei der Bank und borgten uns Geld bei meiner großen Schwester, vielen Dank noch mal an dieser Stelle ;-)

Gesagt getan holten wir die Anlage ab und waren über alle Maßen glücklich.

Bei dieser Gelegenheit lernte ich meinen späteren Kumpel und Techniker Peter Hejna kennen, der leider im Jahr 2006† unerwartet und viel zu früh verstarb.

Im Gedächtnis war mir noch Karsten S. der sich in der Schule auch sehr für das Musikmachen angagierte und ich fragte auch ihn, er stimmte zu ;-)

Das Team war komplett, Mario & ich als DJ’s, Karsten & Peter als Techniker und Elektriker. Peter hielt sich im Hintergrund und wartete unsere Technik. Karsten trat mit auf und beschäftigte sich mit der Lichtanlage und sprang ein wenn aus arbeitstechnischen Gründen, Mario oder ich nicht konnten. Nebenbei machte Karsten noch Schuldisco mit dem Namen: „Future Disco“.

Im gleichen Jahr verstarb plötzlich und unerwartet mein Vater Roland Kühn und ich zog mich vorerst aus dem Discogeschäft zurück. Um den Schmerz zu überbrücken und nicht immer ständig darüber nachdenken zu müssen zog ich mich in den Waschkeller meiner Eltern zurück und malte ein neues Aushängeschild für unsere Disco. In nächtelanger Kleinarbeit wurde das Schild dann auch fertig.

In dieser schweren Zeit standen mir meine Freunde und Kollegen bei und holten mich Mitte des Jahres 1989 wieder auf die Bühne zurück. Es folgten noch 1 ½ Jahre wunderschöne und erlebnisreiche Jahre, aber irgendwie war es nicht mehr das Gleiche wie Früher. Durch Beruf und Familie liefen die Wege immer mehr auseinander. Der Verlust meines Vaters quälte mich noch immer und so stieg ich Silvester 1991 aus dem Team aus.

Aufgrund vieler Nachfragen doch wieder Musik zu machen, lies ich mich überreden und ich machte gelegentlich noch ein paar Auftritte bis zum endgültigen Aus von „DANGER DISCO“.

Eine Galerie von Bildern die ich zusammen getragen habe findet Ihr hier:

Wir beschlossen die Anlage und Alles Zubehör zu verkaufen. Karsten S. aber wollte nicht Aufgeben :-) und so übernahm er die Anlage mit Marko Sch. und sie machten noch ein paar Jahre weiter.

Inzwischen ist auch dort Ruhe eingegehrt. Karsten ist Mitglied einer Band und macht Livemusik, Marko hat sich ins Familienleben zurückgezogen.

Ich für meinen Teil, konnte mich der Musik nicht wirklich entziehen und gründete 1997 mit mit Marko W. die Formation „music projekt“. Hierzu findet Ihr Alles unter dem Reiter „Electronic Waves“ oder einfach unten auf das Logo klicken und schon gehts los ...